Trennungsangst beim Hund

Bewertung: 5 / 5

Star ActiveStar ActiveStar ActiveStar ActiveStar Active
 

WIE KOMMT ES ZUR TRENNUNGSANGST?


Trennungsangst tritt beim Hund in unterschiedlichen Formen als Folge einer übermäßig starken Bindung an den Sozialpartner oder an bestimmte Orte auf. Sie ist bei Caniden ein natürliches Phänomen, Wölfe zum Beispiel leben in Sozialverbänden, die Trennungsangst stellt auch sicher dass sich ein Welpe nie zu weit von seiner Mutter entfernt.

Verirrt sich ein Welpe, dann "fiept" er, dieser Laut ist ein Orientierungssignal, das es seiner Mutter oder dem Rudel leichter macht ihn wieder zu finden. Dieses "Fiepen" löst bei seiner Mutter eine physiologisch bedingte Reaktion aus, die dazu führt, dass sie automatisch nach dem Welpen sucht.

Bei Trennungsstress geht es also prinzipiell im Kern darum, die im Rudel wichtige, körperliche Nähe und Bindung, zwischen Welpen, und der Gruppe in der er aufwächst aufrecht zu erhalten.

Tierarten die keine "Brutpflege" betreiben kennen keinen Trennungsstress

Für den Welpen ist der Moment wo ihn seine Mutter wieder findet, ein Glücksmoment, sein "Fiepen" wird als belohnt indem sich der Trennungsstress durch den Kontakt mit der Mutter auflöst. Entfernt sich ein Welpe zu weit, bestraft ihn das Gefühl der Isolation, das in weiterer Folge Stress hervorruft.

Mit 10-12 Wochen verlassen Welpen die Wurfhöhle und beginnen mit der Integration in das Rudel. Dieser Reife-und Integrationsprozess findet schrittweise statt, perfekt auf die Entwicklung des Welpen abgestimmt. Aus Trennungsstress entsteht auf diese Weise kaum je ein echtes Trennungsprobem oder Trennungsangst.

Wird beim Welpen in diesen Prozess negativ eingegriffen, was bei Hundewelpen durchaus passieren kann, dann kann sich das nachteilig auf die Entwicklung auswirken. Zum Beispiel werden Welpen oft abgegeben, bevor sie der Trennung biologisch und mental gewachsen wären. Findet eine Trennung nicht als langsamer, angepasster Prozess statt, sondern abrupt, so kann das zu einem traumatischen Erlebnis führen.

Macht dann der neue Besitzer den Fehler, den Welpen, wenn auch nur temporär, in eine Box zu sperren, dann kann daraus ein Trauma werden, das den Hund zeitlebens begleitet. Der kleine Hund ist mit der neuen Welt nicht vertraut, zum Trennungsstress kommt Angst hinzu.

glücklicher Welpe

Das Alleinsein führt beim Welpen naturgemäß zu Trennungsstress, er fiept und winselt, mit dem Ziel Kontakt herzustellen. Dazu kommt es aber nicht. Dadurch entsteht für ihn das Gefühl, dass seine neue Umwelt und berechenbar und unkontrollierbar ist und er fühlt sich hilflos - so produziert man ein neurotisches Tier.

Risikofaktoren die zu Trennungsangst führen können sind:

Anwendung von Strafe bei der Aufzucht des Hundes
Hunde die zu früh von der Mutter weggenommen wurden
häufiges Alleinsein wenn der Welpe noch klein war
soziale Isolation in den ersten vier Lebensmonaten
Besitzerwechsel
Tierheimaufenthalt
lange Aufenthalte im Zwinger
Besitzer hat plötzlich weniger Zeit
Veränderungen im Tagesablauf
eventuell vorliegende Depressionen
Phobien und/oder Zwangverhalten
traumatische Erfahrungen beim Alleinesein
im Alter, Ausfall oder Beeinträchtigung einzelner Sinne

Diese Faktoren zeigen, dass Hunde, die direkt von einem guten Züchter, zu einem kundigen und verantwortungsbewussten Halter kommen, die wenigsten Risikofaktoren aufweisen, Trennungsangst zu entwickeln.

Wolfgangs Hundetraining